VERGEWALTIGUNG LEICHT GEMACHT

VERGEWALTIGUNG LEICHT GEMACHT?

OFFENER BRIEF AN DIVERSE REGIERUNGSMITGLIEDER

Ich schreibe Ihnen vor allem in Ihren wichtigen Funktionen als Bildungsministerin und Bildungssprecher/in Ihrer Partei!

ÖVP und FPÖ möchten Sexualpädagogik in Schulen durch schulfremde Personen verbieten.

Ich halte das für den schlimmsten Rückschritt in der Prävention von Vergewaltigung an Kindern, den ich mir für mein Heimatland ausdenken kann. Das ist mein Ernst, und es ist leider keine Übertreibung. Vorhersehbar werden Vergewaltigungen und Sexualisierte Gewalt an Kindern dadurch erleichtert. Seit Jahren lobt man professionelle Sexualaufklärung als DAS wichtigste Präventionsmittel, das man Kindern schenken kann. Ich sehe nicht allein die Sexualpädagogik gefährdet, sondern die Präventionsarbeit gegen Sexualisierte Gewalt.

Ich bitte Sie, alles in Ihrer Macht stehende zu tun, um diesen auf Basis falscher Vorstellungen getroffenen Gesetzesvorschlag zu verhindern und weiterhin die außerschulisch geführte Sexualpädagogik zu ermöglichen und gut zu finanzieren.

Warum Sie auf mich hören sollten

Ich habe mich länger als zwei Jahrzehnte mit Sexualisierter Gewalt beschäftigt und verspreche Ihnen, dass gute, zeitgemäße fundierte Sexualaufklärung das wichtigste und effektivste Mittel gegen Sexualisierte Gewalt ist und zwar auf Seiten der Verbrechensopfer, als auch auf Seite der Täter und Täterinnen. Das sind Zusammenhänge, die die Wissenschaft schon mehrere Jahrzehnte kennt und auch aus der Praxis bestätigt.

Rein finanziell betrachtet ist gute Sexualpädagogik bei Kindern und Jugendlichen sicherlich eine Investition in die Zukunft, die dem Staat und allen staatlichen Einrichtungen mehr spart als sie je kostet.

Ein Kind, das weiß was Sexualität ist und damit tabulos umgehen kann, weiß sich zur Wehr zu setzen, weiß sich Hilfe zu holen. Wollen Sie das für ihr Kind? Ich möchte es für jedes einzelne Kind auf diesem Planeten.

Wer will, dass Kinder öfter, länger und gewaltvoller vergewaltigt werden, nimmt ihnen die professionelle Bildung zum Intimbereich und zur Sexualisierten Gewalt weg. Gerade das Nichtwissen war das größte Problem in der Gewaltprävention. Wenn dies das Ziel von ÖVP-FPÖ ist: 100 Punkte!

Bei sexuellen Problemen wegschauen, Mund halten, Ohren zumachen und in Igel-Stellung gehen – wie es die Abschaffung der Sexualpädagogik durch schulfremde Personen wäre – hat man schon im Mittelalter betrieben, und es wurde nicht wenig Kritik an dieser Methode mit Problemen umzugehen geübt.

Sie als Nationalräte und Nationalrätinnen haben auf Ihrem Weg das Vertrauen der Menschen hier gewonnen und müssen für Ihre Taten gerade stehen.

Lassen Sie nicht zu, dass ein phantastisches Instrument der Gewaltprävention, wie sie Sexualaufklärung durch qualifizierte Fachleute, ohne Not abgeschafft wird. Es darf nicht Anlassgesetzgebung betrieben werden, weil ein einzelner Verein schlecht gearbeitet hat! Teeenstar war nie eine „sexualpädagogische Beratungsstelle“, die Mitarbeiter*innen waren darin nicht geschult. Teenstar ist eine rein ideologisch geführte Einrichtung, die zu Sexualität keine Kompetenzen aufweist.

Warum jetzt alle Schüler*innen in Österreich – wegen dieser einen inkompetenten „Beratungs“-Stelle ohne Sexualkompetenz – auf gute, zeitgemäße, hochwertige Sexualberatung verzichten sollen ist unerklärbar. Wer sich mit wissenschaftlichen Konzepten der Sexualpädagogik befasst hat kann nur den Kopf schütteln über diesen Vorschlag von ÖVP-FPÖ.

Warum schulfremde Sexualpädagogik?

Sexualität ist immer noch ein Tabu, man möchte das – gerade in der sensiblen Phase der Pubertät – nicht mit Personen besprechen, die man jeden Tag sieht.

Die Qualität der Sexualerziehung würde sinken. Lehrer*innen sind dafür nicht geschult, sie haben in keinem Fach eine Ausbildung für dieses Thema, ihnen fehlt die Qualifikation, die Ausbildung weniger Fächer bezieht sich auf die Biologie des menschlichen Körpers inklusive der Geschlechtsteile, und die Anatomie ersetzt nicht die Sexualpädagogik, sowenig wie die Anatomie des Schweins ein Kochkurs ist. Aber das ist nicht das einzige Problem.

Wer Kinder hat weiß, dass das Thema Sex ist für Jugendliche gerade dann, wenn sie es akut brauchen, nicht mehr mit den Eltern diskutieren wollen, aber auch sonst nicht mit Erziehungspersonen wie Lehrern und Lehrerinnen, die sie kennen und jeden Tag wieder sehen. Falls Sie jemals Kind waren, erinnern Sie sich möglicherweise an diese Zeit… Schulfremde Personen, welche diesen Unterricht ohne Anwesenheit der Lehrer*innen machen, sind die beste und professionellste Lösung dafür.

Ohne gute Aufklärung wenden Kind sich in ihrem Wissensdurst an die unendlichen Weiten des Internets und bleiben oft genau dort hängen, wo´sie am wenigsten brauchbare Informationen sehen oder an Seiten, die nicht altersgerecht sind. Kein Jugendschutz-Blocker der Welt hält sie davon ab. Gerade den Umgang mit den sexuellen Inhalte im Netz sollten Kinder aber ebenso lernen wie Autofahren: Von ausgebildeten Profis. Und das sind nun mal derzeit nur unsere Sexualpädagog*innen.

Falsche Informationsvermittlung bei traumatisierten Kindern kann Traumata verstärken und das Trauma festigen. Gerade wo es sexualisierte Gewalt betrifft ist das verheerend, und das betrifft immerhin mindestens 10% der weiblichen Kinder. Man nimmt ihnen damit Prävention, aber auch die Möglichkeit sich im Fall eines sexualisierten Verbrechens Hilfe zu holen. Diese Zusammenhänge sind Fachleuten bestens bekannt und – leider!! – sicher keine Dramatisierung von mir.

Es gibt ausreichend hoch engagierte, kompetente Sexualpädagogische Vereine und Spezialausbildungen in diesem Bereich und von diesen ausgebildete Fachkräfte, die jahrzehntelange Erfahrung haben. Viele der mir bekannten Personen machen unglaubliche viele, teure, selbst bezahlte Fortbildungen trotz der Aussicht auf einen sehr gering bezahlten Job. Viele sind traumatherapeutisch geschult.

Geben Sie dem Gewaltschutz die Chance, die unsere Kinder verdienen!

Überdenken Sie die Entscheidung, Sexualaufklärung nur noch durch dafür nicht geschultes Schulpersonal zu machen. Wenn Ihnen das ernst ist, müssten Sie im ersten Schritt angestelltes Schulpersonal dafür ausreichend in Sexualerziehung schulen und das finanzieren.

Wie Sie in dieser Frage entscheiden, wird zeigen, ob Sie auf der Seite des Schutzes unserer Kinder vor Sexualisierter Gewalt sind. Nichts weniger als das.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Mit freundlichen Grüßen,

Helga Pregesbauer

(c) Helga Christina Pregesbauer

Hier finden Sie auch eine Petition, die Sie unterschreiben können, vielen Dank für Ihr Autogramm:

https://mein.aufstehn.at/petitions/redmadruber-initiative-fur-qualitatsvolle-sexualpadagogik?bucket&source=facebook-share-button&time=1560921138&fbclid=IwAR3K2vneLA7jDA0ve5VLXSdLo27lR1uwLOLYqJZs-ch_xMJ4VJmOUMbukIk

Nachträgliche Ergänzung: Selbst die Aktion Leben, die sehr sexualkonservativ ist, spricht sich in einer Presseaussendung deutlich gegen den Vorschlag aus!

Ich lade meine Leser*innen sehr herzlich ein, ebenfalls Ihre Meinung zu diesem Antrag den Verantwortlichen zu übermitteln:

BildungssprecherInnen der Parteien:

JETZT Stephanie Cox  stephanie.cox@​parlament.gv.at

ÖVP Dr. Rudolf Taschner rudolf.taschner@parlament.gv.at
SPÖ Dr.Sonja Hammerschmid sonja.hammerschmid@​parlament.gv.at

FPÖ Wendelin Mölzer wendelin.moelzer@​parlament.gv.at

GRÜNE David Ellensohn dialogbuero.wien@gruene.at

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff douglas.hoyos-trauttmansdorff@​parlament.gv.at

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Antragstellerin Gudrun Kugler ÖVP info@​gudrunkugler.at

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Bundesministerin für Bildung Dr. Iris Eliisa Rauskala iris.rauskala@​bmbwf.gv.at

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